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Aktion für Menschenrechte

Wird der Grand Prix in Baku zur Protest-Show?

Von CHRISTIAN WIERMER
Thomas D. wird in Baku mit dabei sein.
Thomas D. wird in Baku mit dabei sein.
Foto: dpa

Es ist die größte Musikparty der Welt, über 100 Millionen Fernsehzuschauer schalten den Eurovision Song Contest (ESC) ein.

Im Mai geht das Showlicht in Aserbaidschan an – ein Finale mit Schattenseiten. Denn das Land gilt als besonders schlecht im Umgang mit Menschenrechten. Jetzt fordert die Bundesregierung unsere Stars für Baku zum Protest auf.

„Menschenrechte: zwölf Points“, heißt es in einem uns vorliegenden Brief des Menschenrechtsbeauftragten der Regierung, Markus Löning, an alle Finalisten der Vorausscheidung „Unser Star für Baku“ (ARD/ProSieben).

Auch die Jury um Stefan Raab erhielt vor wenigen Tagen ein ähnliches Schreiben. Löning macht darin auf die schlimme Situation vor Ort aufmerksam: „Kritische Stimmen im Lande werden mundtot gemacht. Viele Journalisten werden unter Druck gesetzt, Medien zensiert.“

Er berichtet von politischen Gefangenen wie Bakhtiyar Hajiyev, der nach regierungskritischen Äußerungen auf Facebook für zwei Jahre „angeblich wegen Wehrdienstverweigerung“ in Haft kam.

Löning fordert die Finalisten auf, sich mit der Menschenrechtslage in Aserbaidschan vertraut und Fans darauf aufmerksam zu machen. In Interviews oder gar offen auf der Bühne: „Vielleicht tragen Sie (…) das Menschenrechtslogo als Anstecknadel oder als T-Shirt-Aufdruck.“

Öl-Dollar, aber jede Menge Vorwürfe

Neun Millionen Einwohner, Milliarden Öl-Dollar: Aserbaidschan - ein Land rückt in den Mittelpunkt, nicht nur wegen des Grand-Prix-Finales. Kaum ein Staat betreibt im Westen so massiv Lobbyarbeit wie der des umstrittenen Präsidenten Ilcham Alijew. Die Vorwürfe gegen ihn: Wahlbetrug, Verfolgung von Oppositionellen, Medienzensur. „Menschen werden ins Gefängnis gesteckt, weil sie sich kritisch über die Regierung äußern“, sagt Amnesty-Generalsekretär Wolfgang Grenz. Auf der von „Reporter ohne Grenzen“ letzte Woche veröffentlichten Rangliste für Pressefreiheit liegt das Land auf Platz 162 von 179 – hinter Afghanistan und Irak.

Löning: „Aserbaidschan ist ein boomendes, wunderschönes Land, das den ESC als große PR-Show nutzen wird. Deswegen ist es umso wichtiger, dass der deutsche Vertreter bei der Endausscheidung dabei hilft, ein Licht auf die andere Seite dieses Landes zu werfen.“

Der deutsche Grand-Prix-Kandidat oder unser Delegationsleiter Thomas D. mit blauen Menschenrechts-Logo? Sie würden das Gastgeberland brüskieren. Wird der Songcontest zum Protest-Fest?

Thomas D. unterstützt die Kampagne „Ihre Stimme für Baku“ von Amnesty International, auf die Löning sich beruft. Thomas D.: „Vom Recht seine Meinung zu sagen, können leider nicht alle Menschen so einfach Gebrauch machen wie wir. Damit auch andere die Freiheit behalten, ihre Meinung frei zu äußern, unterstütze ich die Aktion.“ Wie er sich in Baku verhalten wird, verrät er noch nicht.

Der NDR ist zuständig für die Übertragung des ESC in der ARD. Sprecherin Iris Bents: „Zu den Voraussetzungen der Teilnahme gehört die verbindliche Zusage des ausrichtenden Landes, Menschenrechte zu garantieren. Die ARD wird in ihren Programmen im Umfeld des ESC laufend über die Lage in Aserbaidschan berichten.“

Auch der grüne Parlaments-Geschäftsführer Volker Beck warnt: „Baku ist eigentlich der falsche Ort für eine unbeschwerte Party. Aserbaidschan ist eine Diktatur, in der Oppositionelle und kritische Journalisten gnadenlos verfolgt werden.“

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Datum:  3.2.2012
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