Knuspriger Gänsebraten, Glühwein, Plätzchen: Schlemmen gehört zu Weihnachten wie Christbaum und Geschenke. Da ächzt bei vielen die Verdauung. Sodbrennen, Völlegefühl. Verstopfung, peinliche Blähungen, Durchfall - viele decken sich in der Apotheke ein mit rezeptfreien Medikamenten gegen Darmträgheit und das Zuviel an Magensäure, das süße Leckereien, Fettes und Alkohol mit sich bringen.
Stiftung Warentest hat aktuell (Stand 1. Dezember 2011) die Liste von 50 Mitteln für Magen, Darm und gute Verdauung zusammengestellt, die tatsächlich sinnvoll sind und besonders günstig.
Die Antazida Hydrotalcit und Magaldrat helfen bei Sodbrennen, indem sie überschüssige Magensäure binden. Die Wirkung tritt schnell ein, hält aber nur kurz an. Ohne Unterbrechung maximal 2 Wochen ohne Rücksprache mit einem Arzt anwenden. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten. Kinder unter 12 Jahren sollten die Mittel nur nach Rücksprache mit einem Arzt einnehmen.
Bisacodyl und Natriumpicosulfat reizen die Darmwand. Diese reagiert darauf mit verstärkten Bewegungen. Kurzfristig angewendet, können die Mittel bei Verstopfung helfen. Bei längerfristiger Anwendung besteht die Gefahr von Gewöhnung und Kaliummangel, der seinerseits die Verstopfung verstärkt. Kinder unter zwei Jahren dürfen kein Bisacodyl, Kinder unter vier Jahren kein Natriumpicosulfat bekommen. Bei älteren Kindern nur nach Rücksprache mit einem Arzt einsetzen.
Pankreatin hilft bei Verdauungsbeschwerden, wenn die Bauchspeicheldrüse nachweislich zu wenig Verdauungsenzyme bildet.
Loperamid hemmt die Darmbewegung, bessert Darmkrämpfe und ist geeignet, akuten Durchfall zu stoppen. Die Ursache der Darmstörung (z. B. eine Infektion) wird durch Loperamid nicht behoben. Ohne Arzt maximal 2 Tage anwenden. Kinder unter 2 Jahren dürfen diese Mittel nicht bekommen.
Gute Noten gibt es für Magenmittel mit Wirkstoffen, die bei Sodbrennen und Reizmagen überschüssige Magensäure binden (Hydrotalcit, Magaldrat), die Produktion von Magensäure für mehrere Stunden bremsen (Ranitidin) oder sie fast vollständig unterdrücken (Omeprazol, Pantoprazol).
Der Bestseller „Iberogast“ aus neun verschiedenen Pflanzenextrakten gilt nur als „mit Einschränkung geeignet“, hinzu kommt ein vergleichsweise hoher Preis - deshalb taucht er, wie viele andere bekanntere Magen-Darm-Markenmittel, nicht in der Liste auf.
Als Alternative zu „geeigneten“ Wirkstoffen gegen Verstopfung, bei denen bei längerfristiger Anwendung die Gefahr der Gewöhnung besteht (Bisacodyl, Natriumpicosulfat), finden sich Laktulose (ein synthetischer Zucker) und Flohsamen als ungefährliche natürlichere Abführhelfer.
Eine generelle Absage erteilen die Warentester Tropfen und Kapseln z. B. mit Extrakt aus Mariendistel oder Artischocke, die Leber und Galle gegen die geballte Attacke von Fett und Alkohol stärken sollen.
„Mariendistel kann bei hohem Alkoholkonsum weder die Leber schützen noch sie vor dem Zerfall bewahren“, urteilen die Warentest-Experten. Extrakte aus der Artischocke könnten zwar den Gallenfluss anregen, es fehlten aber aussagekräftige Studien, die belegen, dass damit durch fettreiche Ernährung verursachte Verdauungsbeschwerden nachhaltig gebessert werden können. „Mittel mit Artischockenextrakt sind deshalb wenig geeignet.“
Die arzneifreien Profi-Tipps gegen Blähungen: Bewegung - nichts trägt besser dazu bei als ein Verdauungsspaziergang, damit im Darm aufgestaute Gase abgehen können. Bei schmerzhaften Blähungen sind feuchtwarme Umschläge oder kreisend im Uhrzeigersinn ausgeführte Bauchmassagen sinnvoll.
Warten Sie nach dem Abendessen mindestens drei Stunden, bevor Sie schlafen gehen. Wenn Sie von Kaffee Sodbrennen bekommen sollten, bevorzugen Sie koffein- und säurearme Sorten (Espresso!). Auch Eis als Dessert lockt Sodbrennen - weil die Kälte die Bewegungen der Speiseröhre verringert.
Quellen: Handbuch Rezeptfreie Medikamente www.test.de/Medikamente
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