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Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 10.4.2012

Lebensmittelintoleranz: Wenn das Essen zum Feind wird

Bauchweh: Lebensmittelunverträglichkeiten schlagen auf den Magen.
Bauchweh: Lebensmittelunverträglichkeiten schlagen auf den Magen.
Foto: dpa

Das Kribbeln im Mund ist kaum wahrnehmbar, aber es ist ein untrügliches Warnsignal. Franka C. (39) weiß genau, was passiert, würde sie jetzt weiteressen: Auf ihrer Haut breitet sich ein Ausschlag aus. Ihr wird schlecht. Jedes einzelne Kopfhaar glaubt sie zu spüren, das Herz rast, und die Schleimhäute schwellen an. Sie bekommt immer schlechter Luft, die Lippen werden blau – eine lebensbedrohliche Schockreaktion.

Der Grund: Der Salat, von dem sie gerade einen Bissen probiert hat, ist mit Walnussöl angemacht. Die kaufmännische Angestellte leidet an einer Nahrungsmittelallergie.

Allergien sind Abwehrreaktionen des menschlichen Immunsystems auf bestimmte Lebensmittelbestandteile, zum Beispiel Milcheiweiß, Hühnereiweiß oder Nüsse. Bereits beim ersten Kontakt mit diesem fälschlich als schädlich erkannten Stoff bildet der Körper Antikörper, die sogenannten Immunglobuline E (IgE). Bei jedem weiteren Verzehr reagiert der Organismus mit einer überschießenden Abwehr.

Stress als Ursache:

Bei Lebensmittelintoleranzen oder der Malabsorption ist das Immunsystem nicht betroffen. Schuld ist vielmehr ein fehlendes oder nur unzureichend gebildetes Enzym. Folge: Die kritischen Nahrungsbestandteile werden entweder nicht im richtigen Darmabschnitt ausreichend gespalten oder nur unvollständig durch die Darmwand ins Blut transportiert. Sie wandern in weiter unten liegende Darmabschnitte und werden dann von den dort ansässigen Bakterien verarbeitet. Dabei entstehen Wasserstoff, Kohlendioxid, kurzkettige Fettsäuren und Methan, die zu einem Blähbauch und Durchfall führen. Am häufigsten sind Intoleranzen gegen einzelne Kohlenhydrate wie Laktose, Fruktose oder Gluten (s. Kasten). Als Ursachen werden das sich veränderte Nahrungsangebot und Stress verantwortlich gemacht. Offenbar ist das Verdauungssystem überfordert mit Lebensmitteln, denen isoliert Nährstoffe zugesetzt werden.

Komplizierte Suche nach der Ursache: Zeigt der Körper allergische Reaktionen, kann der Verursacher durch einen Test beim Allergologen ermittelt werden. Bei Nahrungsmittelintoleranzen gestaltet sich die Suche oft komplizierter. „Bei manchen treten die Symptome erst nach dem Verzehr einer sehr großen Menge an Milchzucker auf und sind im Alltag deshalb kaum zu bemerken. Oft denken die Betroffenen gar nicht daran, dass ihr Unwohlsein im Zusammenhang mit Milchprodukten stehen könnte“, erklärt Stefanie Gohr, Diätassistentin von AOK Clarimedis. Die Betroffenen müssen ein „Lebensmitteltagebuch“ führen und so herausfinden, welche Produkte Beschwerden verursachen. Alternative Methoden wie der sogenannte „IgG-Test“ werden von allen namhaften Allergologen-Verbänden als unseriös kritisiert.

Konsequente Nahrungsumstellung hilft:

Nach der Diagnose hilft nur noch eine konsequente Nahrungsumstellung. Bei Fertigprodukten ist das Lesen der Zutatenliste beim Einkauf ein Muss. Wer Milchzucker nicht verträgt, kann sich auch mit Laktase-Tabletten aus der Apotheke helfen. Das ist praktisch, wenn man nicht weiß, „ob und wie viel Laktose in einem Essen drinsteckt, zum Beispiel im Restaurant und bei Einladungen zum Essen“, so Stefanie Gohr.

MPS

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