„Kürschnergate“

Mail „an alle“ legt Bundestag lahm

Am Mittwoch hat ein E-Mailchaos den Bundestag vorübergehend lahmgelegt.
Am Mittwoch hat ein E-Mailchaos den Bundestag vorübergehend lahmgelegt.
Foto: dapd (Symbolbild)

Volle Mailboxen, wütende Abgeordnete und eine verzweifelte Bundestagsverwaltung: Am Mittwoch hat eine einzige E-Mail im Parlamentsbetrieb stundenlang für Wirbel gesorgt.

Der Auslöser

Am Morgen war vom Bundestag eine Info-Mail an alle Büros gegangen, dass die neue Ausgabe des „Kürschner“-Handbuchs - ein Nachschlagwerk für Abgeordnete - vorliegt, berichteten verschiedene Parlamentarier.

Der Fehler

Eine Mitarbeiterin der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) namens Babette bat dann eine Kollegin, ihr ein Exemplar mitzubringen. Jedoch verschickt sie die Mail in Kopie („Cc“) aus Versehen an alle Adressaten im Bundestagsverzeichnis - vom Minister bis zum Pförtner.

Chaos

Hunderte fühlen sich angesprochen und antworten - wieder im Riesen-Verteiler. Der Schneeball-Effekt ist nicht mehr aufzuhalten, der Bundestag elektronisch außer Rand und Band. Immer mehr Nonsens wird versendet („Ich grüße meine Mutti“), andere antworten mit Wetterberichten: „In Hannover-Linden sind drei Grad, es ist trocken und leicht bewölkt.“

Es gibt auch wütende Reaktionen: „Ja seid Ihr denn alle ein bisschen bluna!“ Das Büro von Frank Steffel (CDU) kommt auf die Idee, die E-Mail-Schlacht für eine Verlosung zu nutzen. Zwei Karten für ein Handballspiel der Berliner Füchse werden angeboten, berichtet „bild.de“. Steffel ist Präsident des Bundesliga-Clubs.

Spott im Netz:

Auf Facebook wird eine erste Fangruppe eingerichtet - Titel: „Babette war's“. Später verschwindet der Eintrag wieder, schreibt „heute.de“.Auch bei Twitter wird die Mailpanne, die auf den Parlamentsfluren als „Kürschnergate“ kursiert, thematisiert.

Schluss jetzt!

Im Laufe des Tages wird es der Bundestagsverwaltung zu bunt. Sie warnt vor einem Missbrauch des E-Mail-Verteilers: „Aufgrund des derzeitigen Missbrauchs des Emailsystems können Zustellverzögerungen von bis zu 30 Minuten auftreten.“

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Datum:  25.1.2012
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